Ja zur Quartierküche Tiefenau
Am 14. Juni 2026 stimmen wir über einen Baukredit in der Höhe von 7,8 Millionen Franken für den Einbau einer Quartierküche im ehemaligen Tiefenauspital ab. grünlinks hat die zuständige Direktorin Ursina Anderegg gefragt, wieso es diese Küche braucht.
Autor: Markus Heinzer, Redaktion grünlinks
grünlinks: Wofür braucht es die Quartierküche im ehemaligen Tiefenauspital?
Ursina Anderegg: In der geplanten Quartierküche wollen wir 10’000 bis 12’000 Mahlzeiten pro Woche für die Tagesbetreuung produzieren. Damit reagieren wir auf die steigende Nachfrage nach Mahlzeiten und können die Lücke der städtischen Mahlzeitenstrategie schliessen.
grünlinks: Wo werden die Mahlzeiten aktuell gekocht?
Ursina Anderegg: In der Stadt Bern gibt es bisher drei Quartierküchen, in denen Mahlzeiten gekocht und anschliessend an Filialen der Tagesbetreuung für Schulkinder und städtische Kitas geliefert werden: im ehemaligen Zieglerspital (betrieben vom Kompetenzzentrum Arbeit), im Wyleregg und in der Besonderen Volksschule Bern in Bümpliz (betrieben von der GEWA). In einigen Filialen der Tagesbetreuung für Schulkinder und Kindertagesstätten werden die Mahlzeiten vor Ort in kleineren Küchen gekocht. Unsere Mahlzeitenstrategie sieht jedoch vor, die Mittagessen immer mehr in den Quartierküchen zu produzieren. Denn trotz der nötigen Anlieferung ist dies günstiger und auch ökologischer, als wenn in kleinen Küchen vor Ort gekocht wird.
grünlinks: Warum?
Ursina Anderegg: In den grossen Quartierküchen können wir ausgewogene, frische und der Saison angepasste Mahlzeiten lokal, nachhaltig und ressourcenschonend in grossen Mengen produzieren. Bei der Auslieferung achten wir darauf, dass die Transportwege möglichst kurz sind und ausschliesslich wiederverwendbare Behälter genutzt werden. Ohne die neue Küche in der Tiefenau müssten zudem einige kleine bisherige Standorte saniert werden. Auch die erhöhte Nachfrage könnten wir so nicht bedienen.
grünlinks: Aber wenn das Essen angeliefert wird, können die Kinder nicht beim Kochen mithelfen.
Ursina Anderegg: Die Kinder können auch künftig gemeinsam backen oder das Znüni vorbereiten. Sie helfen aber schon heute nicht in den Küchen mit. Die Produktion von Mahlzeiten für die Tagesbetreuung ist eine Nummer zu gross.
grünlinks: Die Quartierküche Tiefenau wird die ersten zwei Jahre nach Fertigstellung an die Domicil Bern AG vermietet, da der städtische Bedarf anfänglich zu tief ist. Braucht es denn die Quartierküche überhaupt?
Ursina Anderegg: Wir sind sehr froh über diese Lösung. Domicil wird gleichzeitig für ihre Altersheime wie auch für die schulische Tagesbetreuung produzieren. Damit gewinnen wir genügend Zeit, um die bestehenden kleinen Produktionsstätten in Regenerationsküchen umzuwandeln, damit dort die vorgefertigten Gerichte zum Verzehr aufgewärmt werden können. Der Bedarf wird auf jeden Fall steigen: Im Wankdorf (Wankdorfcity 3), im Viererfeld und im Weissenbühl beispielsweise werden neue Schulhäuser entstehen. Das ehemalige Tiefenauspital bietet die einmalige Möglichkeit, den prognostizierten Bedarf an Mahlzeiten mittel- bis langfristig abzudecken.
grünlinks: Bei der geplanten Quartierküche auf dem Areal des ehemaligen Tiefenauspitals handelt es sich um eine Zwischennutzung bis die langfristige Strategie für das Areal geklärt ist. Das ist frühestens 2034 der Fall. Sind 7,8 Mio. Franken nicht ein bisschen viel, wenn die Küche irgendwann etwas anderem weichen muss?
Ursina Anderegg: Der Gemeinderat strebt an, dass diese Nutzung länger dauern wird. Es gibt ja auf dem Areal auch noch andere Zwischennutzungen wie beispielsweise die vom Kanton betriebene Asylunterkunft, eine Kita und Wohnungen. Die Ausarbeitung einer Arealplanung braucht Zeit. Wir gehen deshalb davon aus, dass diese erst weit nach 2034 umgesetzt werden kann.
grünlinks: Herzlichen Dank für diesen Einblick!