Lorrainebadi für alle – Ja zur Renovation
Die Stadt hat das Lorrainebad lange vernachlässigt und sogar zwei Versuche zur Privatisierung gestartet. Das GB will ein schönes, funktionsfähiges Bad für alle. Am 8. März 2026 können wir über einen Baukredit für eine umfassende Sanierung abstimmen. Es braucht eindeutig ein Ja!
Autor*in: Anita Geret, Redaktion grünlinks
1891 bewilligte der Berner Stadtrat einen Kredit von 13’600 Franken für den Bau eines mit Fliesswasser gespiesenen Lorrainebades. Damit wollte er den Schulkindern aus der Lorraine und Länggasse ein sicheres und beaufsichtigtes Baden ermöglichen. Gesagt, getan: Schon 1892 folgte die Eröffnung eines einfachen Kastenbades mit dem heute noch bestehenden Beton-Laufsteg. Bald besuchten Saison für Saison Tausende die Lorrainebadi. Aber die Stadtbevölkerung wuchs und wuchs. Unter vielen Konzepten, ihrer Ausscheidungen Herr zu werden, schien auch das Ableiten über unterirdische Stollen in die Aare als ein gangbarer Weg. Jedoch: Im Lorrainebad schwammen die Badegäste bald nach Eröffnung eines solchen Abflusses in Fäkalien – zusammen mit riesigen Wasserratten. 1947 wurde die Situation unhaltbar. Das Bad galt als Brutstätte von Krankheiten wie Kinderlähmung, Hirnhautentzündung und Typhus. Die Stadtverwaltung wollte das Problem aussitzen, die Medien wiegelten ab. Als der Stadtpräsident auf Auslandsreise war, verbot die beherzte Schuldirektion kurzerhand das Schulbaden und beauftragte die Baudirektion mit der Sanierung des gesundheitsgefährdenden Flussbades. Man unterband den Aarewasserdurchfluss und versorgte das Schwimmbecken mit Grundwasser.
Die Ratten verschwanden, aber der Unterhalt des anhaltend beliebten Bades kostete immer mehr. Die unterdessen über 100 Jahre alten Anlagen verlangten nach einer Erneuerung. Die Idee kam auf, sich diese vom Publikum finanzieren zu lassen. Warum nicht Eintritt verlangen, wenigstens von den Auswärtigen? Bei den verschiedenen Berner Naturbädern keine umsetzbare Option. Das Lorrainebad privatisieren als eine Art zweites Eichholz? Nur schon ein solches Gerücht rief die bereits sensibilisierte Öffentlichkeit auf den Plan. Der Gemeinderat kam unter Druck und liess das Projekt wieder fallen. 2003 wurde eine vom Stadtrat beschlossene, sanfte Renovation mit wesentlichen Verbesserungen für Familien gestartet.
Trotzdem ebbten die Klagen über das sichtlich zerfallende Lorrainebad nicht ab. 2015 prüfte die Stadt eine umfassende Renovation der Badi, die aber immer wieder hinausgeschoben wurde. 2021 startete der Gemeinderat sogar einen weiteren Privatisierungsversuch, der glücklicherweise erfolglos blieb. Stattdessen kann nun am 8. März die Berner Stimmbevölkerung über einen Baukredit in Höhe von 22,3 Millionen Franken abstimmen. Geplant sind eine umfassende Sanierung, die Öffnung des Schwimmbeckens zur Aare und ein neuer Kinderbadebereich. Legen wir ein «JA» zum Kredit ein, damit die lange geplanten Sanierungsmassnahmen endlich angegangen werden und das Lorrainebad wieder zu einem echten Flussbad wird.