Fünf Fragen an die höchste Bernerin
Jelena Filipovic hat Anfang Jahr das Ratspräsidium des Stadtrats übernommen und ist damit für ein Jahr die höchste Bernerin. grünlinks traf sie zum Interview.
Autor*in: Stefan Dietiker, Redaktion grünlinks
grünlinks: Die GB-Mitglieder kennen dich als ehemalige GB-Sekretärin und Stadträtin sowie als Co-Präsidentin des VCS. Nun bist du höchste Bernerin. Was bedeutet dir dieser Titel?
Jelena Filipovic: Ich lebe für die Politik und bin überzeugt, dass wir auf allen Ebenen Dinge in Bewegung bringen müssen. Dieses Amt bietet neue Möglichkeiten und Perspektiven dafür. Ich darf sagen, dass es mich ein wenig stolz macht, dieses Amt als Klimaaktivistin, Feministin und nicht zuletzt auch als Kind serbischer Migrant*innen wahrzunehmen.
grünlinks: Wer dich kennt, weiss, du bist Vollblutpolitikerin, die Menschen zu begeistern vermag und gerne diskutiert. Musst du nun als Ratspräsidentin eine ganz andere Rolle wahrnehmen?
Jelena Filipovic: Danke für das Kompliment. Klar ist die Rolle eine andere, als wenn ich im Stadtrat in der Fraktion politisiere. Mir ist es wichtig, im Ratssaal für eine Stimmung zu sorgen, die gute Debatten ermöglicht: Es darf also emotional werden, aber niemals respektlos.
grünlinks: Wofür willst du als Ratspräsidentin stehen und was soll von diesem Jahr in Erinnerung bleiben?
Jelena Filipovic: Wie sich die Welt entwickelt, macht Angst. Die Klimakrise wird ignoriert, Staaten rüsten auf und das Recht des Stärkeren setzt sich immer mehr durch. In diesen Zeiten möchte ich zeigen, dass es auch anders geht: Wir können gemeinsam eine Stadt sein, in der wir uns umeinander kümmern und wo Klimaschutz aktiv umgesetzt wird – eine Wohlfühloase im eigentlichen Sinn. Diesem Gegenmodell möchte ich für ein Jahr Raum und Aufmerksamkeit geben.
grünlinks: Auf was freust du dich in diesem Jahr am meisten?
Jelena Filipovic: Ich freue mich auf die Einladungen, die das Amt mit sich bringt und darauf, mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen.
grünlinks: Ist das Amt als höchste Bernerin nun dein politischer Höhepunkt oder kommt da noch mehr?
Jelena Filipovic: Das Jahr wird enorm spannend und ist sicher ein Höhepunkt! Aber Politik ist 24/7 mein Baby und für mich ist es unvorstellbar, mich nicht politisch zu engagieren – ob im Parlament oder auf der Strasse. Im März sind Grossratswahlen: Bezüglich Klimaschutz läuft im Kanton Bern viel zu wenig und wie Regierungsrat Schnegg die Asyl- und Sozialpolitik umpflügt, ist beängstigend. Hier müssen wir unbedingt dagegenhalten. Das wäre zum Beispiel eine Herausforderung, die ich in einem nächsten Schritt gerne annehmen würde.