Autor*in: Bettina Dauwalder, Redaktion grünlinks

Am 29. März 2026 finden im Kanton Bern Wahlen statt. Die kantonale Politik stösst bei Menschen, die gern grün, sozial und feministisch wählen, nicht immer auf grosses Interesse. Viele gehen nicht an die Urne. Das ist fatal, denn die stark bürgerlich dominierte kantonale Politik hat – auch wenn nicht immer augenscheinlich – konkrete Auswirkungen auf das alltägliche Leben in der Stadt.

Zwanzig Personen auf der Liste Nummer 10 des GB wollen sich für einen fortschrittlichen Kanton einsetzen. Die sechs Spitzenkandidatinnen zeigen auf, wo in der Umwelt-, Finanz-, Sozial- und Bildungspolitik sie Fortschritte erzielen und Abbau verhindern wollen.

Regula Bühlmann (bisher) will ein Einwohner*innenstimmrecht!

Jede*r vierte Stadtberner*in hat keinen Schweizer Pass und deshalb kein politisches Mitspracherecht – und dies, obwohl die Stadt bereit wäre für ein Einwohner*innenstimmrecht. Bis jetzt steht der Kanton dem im Weg: Gemeinden dürfen anders als in Basel-Stadt, Graubünden und Appenzell Ausserrhoden nicht selber bestimmen, wem sie das Stimmrecht erteilen. Dies soll sich nun ändern: Im September 2024 hat der Grosse Rat per Motion beschlossen, dass Gemeinden politische Rechte neben volljährigen Schweizer*innen auch auf Einwohner*innen ohne Schweizer Pass oder unter 18 Jahren ausweiten dürfen. Ewiggestrige bekämpfen dies, doch gemeinsam können wir die Abstimmung zur Änderung der Kantonsverfassung gewinnen.

Seraina Patzen (bisher) fordert bessere Bedingungen für Frauen, Familien und Asylsuchende!

Regierungsrat Schnegg reformiert das Sozialsystem zu Grunde: Sparen und angebliche Effizienzsteigerungen stehen über allem – wie es den Menschen geht, ist zweitrangig. Dagegen müssen wir uns mit aller Kraft zur Wehr setzen. Wir wollen menschenwürdige Bedingungen für Personen, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen. Es braucht deutlich höhere Kita-Unterstützung, damit familienergänzende Kinderbetreuung für alle zugänglich ist und die Arbeitsbedingungen endlich verbessert werden können. Und wir setzen uns mit aller Kraft ein für mehr Schutzplätze für Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind.

Rahel Ruch (bisher) bekämpft Armut!

Im Kanton Bern sind zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen von Armut betroffen oder bedroht. Kein Wunder: Die Mieten steigen ins Unermessliche, die Krankenkassenprämien sind in den letzten drei Jahren um 20 Prozent gestiegen und Unterstützungsangebote werden eher ab- als ausgebaut. Wir fordern, dass niemand mehr als 10% des Einkommens für die Krankenkasse ausgeben muss – Gesundheit darf kein Armutsrisiko sein. Die Sozialhilfe soll zugänglicher werden, damit sie ohne Hindernisse und Angst bezogen werden kann. Zudem wollen wir gezielte Unterstützung zum Beispiel mit Familienergänzungsleistungen und Mietzinszuschüssen.

Lea Bill fordert verbindlichen Klimaschutz, jetzt!

Die Klima- und Biodiversitätskrise betrifft uns direkt: Städte als Hitzeinseln, Starkregen und Bergstürze werden Teil des Alltags. Bereits ein Drittel der Tiere und Pflanzen in der Schweiz sind bedroht. Der Kanton Bern verfügt zwar über eine Klimastrategie, die Massnahmen sind aber kaum verbindlich und die Umsetzung wird auf die lange Bank geschoben – so gibt es zum Beispiel weiterhin keine Solarpflicht für bestehende Gebäude. Das sowieso schon wenig ambitionierte Ziel von Netto-Null bis 2050 rückt in weite Ferne. Nebst Druck auf Stadtberner Ebene mit der Klimagerechtigkeitsinitiative braucht es auch entschlossene Stimmen auf Kantonsebene, um das Ruder noch herumzureissen.

Jelena Filipovic kämpft für eine radikale Verkehrswende im Kanton Bern!

Gemeinsam gestalten wir eine Zukunft, die den Menschen statt Autos ins Zentrum stellt! Ich werde mich Grossen Rat dafür einsetzen, dass der Kanton einem verkehrspolitischen Rückschritt vehement Widerstand leistet. Was wir brauchen, ist eine klimagerechte Mobilität: Tempo 30 für sichere Strassen, Investitionen in ÖV, Velo und Fussverkehr statt Autobahnen und noch mehr Durchgangsverkehr.

Widerstand ist bitter nötig, denn spätestens seit Anfang Jahr ist klar: Bundesrat Rösti ignoriert den Volkswillen vollends und hält trotz Nein zum Autobahn-Ausbau an Beton-Projekten fest – auch in Bern. Parallel dazu erschwert er mit seiner Tempo-30-Verordnung sichere Schulwege und Lärmschutz. Das müssen wir verhindern!

Katharina Gallizzi will sich für den Finanzspielraum der Stadt Bern wehren!

Der Finanz- und Lastenausgleich (FILAG) soll Unterschiede zwischen finanzstarken und finanzschwachen Gemeinden ausgleichen. Parameter wie Steuersubstrat, Zentrumslasten oder Zentrumsnutzen werden so verrechnet, dass alle Gemeinden fair zu den öffentlichen Aufgaben beitragen. Wir vom Grünen Bündnis unterstützen diesen Solidaritätsgedanken. 

Mit ihren Beschlüssen im Dezember hat die bürgerliche Mehrheit im Grossen Rat den FILAG jedoch genutzt, um der linken Stadt Bern möglichst viel Geld zu entziehen. Das ist unsolidarisch, widerspricht der Grundidee des FILAG und reduziert den Handlungsspielraum der Stadt. Darum braucht es im Grossen Rat viele Stimmen aus der Stadt!