Auftrag

Der Gemeinderat wird beauftragt, die Rechtssammlung der Stadt Bern an geeigneter Stelle mit einer entsprechenden Bestimmung zu ergänzen, wonach in den städtischen Kindertagesstätten, Tagesschulen und Kantinen mindestens einmal pro Woche ein rein pflanzlicher Verpflegungstag eingeführt wird, an dem ausschliesslich pflanzliche Menüs angeboten werden.

Begründung 

Die Stadt Bern verfolgt mit ihrer Energie- und Klimastrategie ehrgeizige Ziele: Bis 2035 soll der territoriale Treibhausgasausstoss auf 1 Tonne CO2eq pro Kopf und Jahr sinken, bis spätestens 2045 gilt das Ziel Netto-Null. Zudem sollen nachhaltige Beschaffung und Menügestaltung in schulergänzenden Betreuungseinrichtungen, städtischen Institutionen und Kantinen zum Standard werden. [1]

Ein relevanter Hebel liegt in der Verpflegung in den städtischen Betreuungseinrichtungen. Gemäss Antwort des Gemeinderats zur Interpellation «Klimagerechte und inklusive Ernährung in städtischen Betreuungseinrichtungen» (2025.SR.0323) werden in diesem Bereich jährlich über 600’000 Mahlzeiten ausgegeben. Entsprechend gross ist das Potenzial, mit einer zeitgemässen Ausrichtung der Menüs einen wirksamen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten.

Der Gemeinderat hält in derselben Antwort fest: «Die Einführung eines regelmässigen rein pflanzlichen Angebots in städtischen Betreuungseinrichtungen kann als Schritt für den Klimaschutz unterstützend wirken.» Diese Einschätzung des Gemeinderats soll nun in eine verbindliche Umsetzung überführt werden.

Tatsächlich ist ein Klimateller aus ökologischer Sicht gut begründet. Unzählige Studien zeigen, dass der Ersatz tierischer Lebensmittel durch pflanzliche Alternativen Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Landnutzung massiv senken kann. [2] [3]
Ausserdem ist der Klimaeffekt einer vermehrt pflanzlichen Ernährung deutlich grösser als jener einer bloss regionalen Beschaffung. [4]

Ein solcher Klimateller stärkt auch die Inklusion. Ein rein pflanzliches Menü kann von den allermeisten Kindern mitgegessen werden, auch von Kindern, deren Familien religiöse Speisevorschriften befolgen oder aus ethischen, ökologischen oder anderen Gründen tierliche Produkte meiden. Hinzu kommen Kinder mit bestimmten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien. Laut menuCH-Kids gaben 11,6% der Kinder und Jugendlichen Allergien oder Intoleranzen an; unter den genannten Auslösern
wurden Milch- und Milchprodukte mit 36,4 % am häufigsten genannt, noch vor Nüssen mit 17 %. [5] Gemeinsame Mahlzeiten sind im Betreuungsalltag ein wichtiger sozialer Moment. Ausgrenzung beim Essen ist daher besonders zu vermeiden. Ausserdem sinkt bei der Mahlzeitenzubereitung der Bedarf an Sonderlösungen.

Ein wöchentlicher Klimateller steht auch ernährungspolitisch im Einklang mit den Empfehlungen des Bundes: Offizielle Daten zeigen, dass der heutige Konsum tierischer Produkte und Proteine bei Kindern und Jugendlichen eher hoch ist, während pflanzliche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Nüsse, Früchte und Gemüse zu wenig konsumiert werden. [6]

Mit dieser Motion wird der Gemeinderat beauftragt, die Rechtssammlung der Stadt Bern an geeigneter Stelle mit einer Bestimmung gemäss dem obigen Auftrag zu ergänzen. Dafür kommen insbesondere das Betreuungsreglement (FEBR; SSSB 862.31) sowie das Schulreglement (SR; SSSB 430.101) infrage.

[1] Klimastrategie Stadt Bern

[2] SDSN Leitfaden Ernährungszukunft

[3] Researchportal – Incorporation of novel foods in european diets can reduce global global warming potential, water use and land use by over 80%

[4] Fibl-Studie zum Thema Klima und Ernährung

[5] Menu CH Kids – BLV Admin

[6] ebd.