Öffentliche Mitwirkung «Neuordnung Allmenden»
Öffentliche Mitwirkung «Neuordnung Allmenden» – Mitwirkungseingabe des Grünen Bündnis
Grundsätzliches
Das Grüne Bündnis Bern (GB) bedankt sich für die Möglichkeit, sich im Rahmen der Mitwirkung zur Neuordnung der Allmenden zu äussern. Grundsätzlich begrüsst das GB die Entwicklung der Berner Allmenden. Im weiteren Prozess (Phase 3) müssen aber drei von der Stadt aufgestellte Vorgaben korrigiert werden:
- Einstellhalle: Die Stadt bezeichnet den Prozess der Mitwirkung als ergebnisoffen, koppelt ihn jedoch an die geplante neue Einstellhalle. Diese Vorgabe engt die Variantenprüfung, die Schutzinteressen und die Gestaltungsfreiheit massiv ein.
- Privatisierung und Exklusivität: Exklusive Profisportflächen, besonders mit dauerhaften Einzäunungen, und eventgetriebene Nutzungen widersprechen dem Charakter der Berner Allmenden als Allgemeingut und gefährden die freie Nutzung durch die Bevölkerung.
- Verkehrsinduktion und Kommerzialisierung: Unnötige Parkplätze und zusätzliche verkehrliche Erschliessungen (Autobahnanschluss BUGAW /«Eventstrasse») stehen im Widerspruch zu den klimapolitischen und den Zielen der Stadtentwicklung sowie zur
Funktion der Allmenden als Naherholungsraum. Nach der unmissverständlichen Depriorisierung des Bypass-Projekts durch den Bundesrat ist die Realisierung des “BUGAW” (Bern Umgestaltung Gebiet Anschluss Wandorf) ohnehin so gut wie vom
Tisch.
Kernforderungen für die Neuordnung der Allmenden
Die Stadt Bern legt sieben Varianten von drei verschiedenen Projektteams vor. Sie beruhen allesamt auf angeblich vorgegebenen Rahmenbedingungen, die zu einer massiven Beeinträchtigung der Grossen Allmend führen. Wegen diesen Vorgaben ist für uns keine der Varianten als Ganzes überzeugend, sie verstellen den Blick auf das Wesentliche. Das GB stellt daher folgende Kernforderungen an die Erarbeitung des Nutzungs- und Gestaltungskonzepts der Stadt Bern (Phase 3) und nimmt im Anschluss punktuell Stellung zu einzelnen Varianten und Elementen der Testplanung.
- Forderung 1: «Allmenden bleiben Allgemeingut» verbindlich festlegen
Die Stadt soll für die Phase 3 festhalten: Keine dauerhaften Exklusivflächen mit Einzäunungen, die öffentliche Nutzung ausschliessen; keine faktische Privatisierung durch Profisport oder Events; Nutzungen müssen so organisiert werden, dass die Flächen ausserhalb klar definierter Zeitfenster öffentlich zugänglich bleiben. Die Allmenden sind als lebendiges, frei zugängliches Naherholungsgebiet zu schützen und so zu gestalten, dass sie von mehr Menschen im Alltag genutzt werden können. Dazu braucht es eine vielfältigere, klimaresiliente Gestaltung mit mehr Bäumen, mehr Wasser, einem alltagstauglichen Wegnetz sowie spürbaren Biodiversitätsflächen – bei gleichzeitigem Erhalt der heutigen Breitensportnutzung und Raum für weitere Bedürfnisse. Die Nutzung muss möglichst breit möglich sein.
- Forderung 2: Varianten für Parkierung gleichwertig prüfen
Die Vorgabe einer Einstellhalle widerspricht einer offenen Variantenprüfung. Es stehen folgende Varianten zur Auswahl: (a) Nullvariante ohne neue Grossanlage mit konsequenter Parkplatzreduktion und Verkehrsmanagement zugunsten von Fuss- und Veloverkehr sowie ÖV; (b) Reduktionsvariante mit deutlich weniger Parkplätzen; (c) Verlagerungsvariante in bestehende Bauzone, bzw. Bestandsinfrastrukturen; (d) nur als letzte Option Varianten mit Unterkellerung im Allmendraum – jeweils mit transparentem Vergleich von Verkehr, Klima/Ökologie, Freiraumqualität, Rückbaubarkeit, Kosten, rechtliche und Verfahrensrisiken. Wir begrüssen die Varianten (a) bis (c) und lehnen die Variante (d) ab.
- Forderung 3: Keine Varianten, die zu mehr Verkehr führen
Die Stadt soll in der weiteren Planung klarstellen, dass die Neuordnung der Allmenden nicht zur Legitimation von zusätzlicher MIV-Infrastruktur (BUGAW, «Eventstrasse») dient; BUGAW ist nicht länger als Vorgabe für die weiteren Planungen zu betrachten; Drittprojekte (z.B. Massnahmen an der A6) sind so zu koordinieren, dass sie nicht zu Lasten der Fläche der Allmenden gehen.
- Forderung 4: keinen exklusiven Profisport, keine baulichen Massnahmen
Trainingsfelder müssen folgende Bedingungen erfüllen: keine dauerhaften Zäune oder Barrieren, keine Verschlechterung des freien Zugangs, keine Zusatzbauten mit Event-/Kommerzlogik; Priorisierung von Breitensport- und Alltagsnutzung. Zudem ist eine Mehrfachnutzung so auszugestalten, dass sie nicht zur faktischen Exklusivität führt.
- Forderung 5: Klimaresilienz und Biodiversität sichtbar erhöhen
Die Stadt soll quantitative Zielwerte definieren (z. B. Entsiegelungsflächen, Baum- /Schattenziel, Wasserelemente/Retention, Biodiversitätsräume) und diese Zielwerte in jeder Variante sichtbar machen (Flächenbilanz). Klima- und Biodiversitätsmassnahmen dürfen nicht nur «Restflächenverwertung», sondern müssen ein Leitziel der Neuordnung sein.
- Forderung 6: Wege- und Zugangssystem («Allmendband») gewährleisten
Die Stadt soll ein durchgängiges, alltagstaugliches Netz für den Fuss- und Veloverkehr definieren, das auch bei Veranstaltungen taugt (Umleitungen/temporäre Lösungen), inklusive guter Ankunftsorte und barrierefreier Zugänge.
- Forderung 7: Mögliches bereits verbindlich planen und finanzieren
Unabhängig von Grossinfrastrukturen sollen ab 2026 kurzfristige Massnahmen umgesetzt werden (z.B. Entsiegelung, Beschattung, Mobiliar, provisorische Wege, ökologische Aufwertung, temporäre Nutzungsangebote), um die Mitwirkung nicht als «Warteschlaufe» wahrzunehmen.
- Forderung 8: Allmendordnung mit echter Mitverantwortung.
Es braucht eine klare, gemeinwohlorientierte Nutzungsordnung für die Allmenden: Die Stadt soll ein verbindliches Nutzungsmanagementmodell für die Allmenden im Sinne eines dauerhaften Aushandlungsprozesses etablieren (Stakeholder inkl. Quartiere/Nutzende) – mit klaren Kompetenzen, Transparenzregeln und Konfliktlösungsmechanismen. Ein verbindliches Regelwerk zur gemeinschaftlichen Nutzung und konstanten Aushandlung soll die Balance zwischen Sport, Erholung und Natur sichern.
Zu den einzelnen Varianten und Elementen der Testplanung
- Die Allmenden als öffentliche Grünfläche sichern
Der Charakter der Grossen Allmend als weite, offene Fläche wird durch alle Varianten mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Dies hat zum einen mit der Vorgabe der abgeschirmten YB-Trainingsfelder zu tun, zum anderen aber auch mit der ausgeprägten Strukturierung und zweckbezogenen Aufteilung der Fläche, die alle Varianten vorsehen. Dies steht im Widerspruch mit der ursprünglichen Idee der Allmenden als gemeinschaftlich genutztes Land bzw. im modernen Sinne als öffentliche Grünfläche oder als Allgemeingut. Diese ursprüngliche Idee soll die Leitlinie für die Ausarbeitung des Gesamtkonzepts (Phase 3) bilden. Eine weitere schleichende Zerstückelung, Privatisierung und Kommerzialisierung ist abzulehnen.
- Biodiversität erhöhen
Auf beiden Allmenden, der Grossen und der Kleinen, ist mehr Biodiversität anzustreben. Die heutige Bewirtschaftung mit häufig gemähtem Rasen bietet keine namhafte Artenvielfalt. Der fehlende Schatten mindert die Aufenthaltsqualität stark. Die Entwicklung sollte in Richtung Stadtpark gehen, allenfalls mit dezentem, beweglichem Mobiliar bestückt. Schliesslich gilt es festzuhalten, dass die Allmenden im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) verzeichnet sind. Ein Umstand, der in der Vergangenheit nicht genügend beachtet wurde. Wir fordern daher eine stärkere Beachtung der ISOS.
- Nutzung durch die breite Bevölkerung sichern
Neben Flächen für sportlichen und wirtschaftliche Nutzungen ist eine grössere Fläche für vielfältige, freie Nutzungen von Menschen aller Generationen zu gewährleisten. Die Attraktivität für Nichtorganisierte muss auf beiden Allmenden dringend gefördert werden. Dies kann etwa durch das Pflanzen von Bäumen geschehen, wobei auch dem “Gefühl der Weite” – eine besondere Qualität der Grossen Allmend – Rechnung zu tragen ist.
Das Team Vulkan verfolgt mit seinen Vorschlägen «Landschaftspark» und «Offene Landschaft» einen Ansatz, der den Gedanken eines Stadtparks mit grosser offener Grünfläche und Baumpflanzungen am Rand aufnimmt. Auch die Beiträge des Teams MOFA «Allmendband +» und Untervariante zielen in diese Richtung. Der Vorschlag «Sport-/Naturallmenden» von Team Extra reduziert hingegen die offene Landschaft zu Gunsten von Sportfeldern.
Um die Nutzung der Allmenden durch die breite Bevölkerung zu erhöhen, sind Wegverbindungen zwischen den beiden Allmenden, ergänzt mit natürlichen Gestaltungselementen und einer Wasserfläche, entscheidend. Das Team MOFA zeigt mit dem
Vorschlag «Allmendband +» ein schönes Beispiel eines solchen Fussweges, der quer zur Hinteren Allmend und anschliessend durch die Kleine Allmend bis nach Ostermundigen führt. Der Weg soll eine hohe Erlebnisqualität aufweisen und zum Teil mit Bäumen beschattet werden. In den Vorschlägen «Klima+» des Teams Extra und den Vorschlägen der Teams MOFA und Vulkan sind zudem ausdrücklich Wasserflächen erwähnt, z.T. als Feuchtbiotope konzipiert.
Es braucht, wie auch das Team MOFA schliesst, mehr Flächen für nichtorganisierte Bevölkerungsgruppen und Biodiversität soll erhöht werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nicht das volle Sportprogramm mit zehn Fussballfeldern (darunter 2
Profifussballfelder), und Rugby-, Hammerwerfen- und Hornussfeld umgesetzt werden kann (vgl. Vorschlag «Sport-/Naturallmenden). So werden in fünf der sieben präsentierten Varianten 1-2 Fussballfelder oder das Feld zum Hornussen aufgehoben. Die Frage, welches Mass an Nutzung der Allmenden dem Sport dienen soll, ist in der Phase 3 zu klären. Der Zugang für eine möglichst breite Nutzung muss gewährleistet sein. Dieser soll auch möglichst barrierefrei für Menschen mit Behinderungen sein.
- Keine zusätzliche Versiegelung
Die Varianten sehen mehrheitlich einen namhaften Bodenverbrauch vor. Insbesondere das unterirdische Parkhaus zerstört die Bodenfunktionen auf mehreren Hektaren Fläche. Auch die allfällige Realisierung von zusätzlichen Kunstrasenfeldern oder exklusiv genutzten, geheizten und bewässerten Naturrasenfeldern verschlingen massive Flächen (2 zusätzliche Felder entsprechen 1,4 Hektaren Land). Zusammen mit der geplanten Verbreiterung der Autobahn würde eine riesige Bodenfläche ökologisch komplett zerstört – mit entsprechenden Folgen für das Stadtklima. Das widerspricht den städtischen Zielsetzungen, wie sie im Klimareglement und der Energie- und Klimastrategie festgelegt sind, und ist abzulehnen.
Die Bodenversiegelung verschärft sich weiter durch die Aufrechterhaltung der Veranstaltungsflächen auf dem Hyspa- und Zirkusplatz. Die Veranstaltungsfläche ragt bis weit in die Schutzzone A hinein. In der Testplanung und den Varianten der Planungsbüros wird dieser Umstand als gegeben hingenommen. Die Stadt und der Kanton haben für die Bernexpo mit der neuen Festhalle, der Aussenraumgestaltung und der geplanten neuen Tramhaltestelle genug Entwicklungspotenzial geschaffen. Die Bernexpo muss nun ihrerseits für Verbesserungen der Aufenthaltsqualität auf der Grossen Allmend Hand bieten. Die heutige kommerzielle Veranstaltungsfläche soll ebenfalls zur Diskussion gestellt werden. Insbesondere die Veranstaltungen auf Zirkus- und Hyspaplatz müssen hinterfragt werden und der steigende Flächenverbrauch auf der Grossen Allmend durch Ausstellungen und Veranstaltungen ist zu stoppen.
- Einstellhalle bzw. Parkhaus in der Schutzzone A: ein No-Go
Die UBS will 400 Pflichtparkplätze zusammen mit den erwünschten ca. 1’000 PP für Eventbesucher*innen als Einstellhalle unter der Schutzzone A der Hinteren Allmend bauen. Die 400 Pflichtparkplätze müsste die UBS eigentlich in der Bauzone des Stadions erstellen. Die UBS plant jedoch die Erstellung einer Einstellhalle unter der Grossen Allmend, die im Teil, der in der Schutzzone A liegt.
Die Attraktion des Ganzen ist, dass damit die oberirdische Parkierung auf den Allmenden wegfallen würde. Die Einstellhalle läge insbesondere unter dem Hyspaplatz. Dieser Platz war 2013 noch grossmehrheitlich grün, wurde aber inzwischen (ohne Baubewilligung) in der Schutzzone A in eine Steinwüste verwandelt.
Der Bau eines Parkhauses ist vom Gemeinderat offenbar bereits beschlossene Sache, die Entscheidung verlief unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Einbezug der Partizipationsgremien und des Stadtrats. Der Gemeinderat muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, die Standortevaluation nicht transparent durchgeführt zu haben und einen fait accompli geschaffen zu haben, der sich aufgrund der Machbarkeitsstudie fachlich nicht rechtfertigen lässt.
Die Parkierungsfrage auf den Allmenden muss öffentlich diskutiert werden: Dazu gehört eine transparente Herleitung der Anzahl Parkplätze, die zum Ersatz der – während vielen Jahren widerrechtlichen – Oberflächenparkplätze erforderlich sind. Sowohl Mitglieder der betroffenen Quartierkommissionen wie des Stadtrats bzw. der Kommission für Verkehrs, Planung und Stadtgrün (PVS) monieren, dass die Herleitung der Ersatzparkplätze nicht nachvollziehbar dargestellt wurde. Es gibt offenbar keinen stringente Berechnung der Anzahl der zu erstellenden Pflichtparkplätze. Dies bedeutet, dass es bei der Anzahl der zu erstellenden Pflichtparkplätze Spielraum gibt. Zudem wären die Möglichkeiten einer oberirdischen Parkierung am frei werdenden Schermenweg zu prüfen.
- Kein volles Rasensportprogramm auf den Allmenden
Die Variante Sportallmenden / Naturallmenden zeigt, dass die Realisierung von zusätzlichen vier Rasensportfeldern mehr als die Hälfte der Flächen beider Allmenden beanspruchen würde. Hinzu kommen weitere bestehende Veranstaltungsflächen. Während der Rasensport sehr wichtig ist, ist eine derartige Flächenbeanspruchung zu einseitig und verdrängt zahlreiche weitere Nutzungen und Bedürfnisse an den Rand oder exklusiv auf die Hintere Allmend. Auch hier würde der Allmenden-Gedanke einer nicht-konkurrierenden Nutzung durch die Allgemeinheit aufgegeben.
- Emissionen durch Bauarbeiten
Eine Umgestaltung wie in allen Varianten vorgesehen ‒ insbesondere die Realisierung des Parkhauses und von BUGAW ‒ würde das Gebiet über mehrere Jahre zu einer Riesenbaustelle machen. Insbesondere der Aushub einer neuen mehrgeschossigen
Einstellhalle würde sehr viel Platz beanspruchen. Die Aufenthaltsqualität auf der nicht direkt betroffenen Fläche wäre massiv eingeschränkt.
Fazit
Eine schonende, nachhaltige Weiterentwicklung der Allmenden im Sinne der breiten Bevölkerung ist weder mit einer Einstellhalle noch mit einem zu einseitigen Fokus auf Sportnutzung, geschweige denn mit exklusiven Fussballfeldern vereinbar. Es gilt, ein
Gesamtkonzept zu schaffen, das den Charakter und die ursprüngliche Bestimmung in den Vordergrund stellt: Die lebendige Nutzung durch die Allgemeinheit.