Interfraktionelle Motion (GB/JA!, SP/JUSO): Velo gegen Isolation
Anna Leissing (GB), Nora Joos (JA!)
Auftrag
Der Gemeinderat wird beauftragt,
- Menschen in Asylzentren in der Stadt Bern und in der Umgebung, welche in der
Zuständigkeit der Stadt Bern sind, den Zugang zum Velofahren zu ermöglichen.
Dazu sind unter anderem folgende Punkte umzusetzen:- Veloverleih mit vielfältigem Angebot
- Velofahrkurse
- Zugang zu Velo-Reparatur
- Menschen in Asylzentren kostenlosen Zugang zum öffentlichen Veloverleihsystem zu ermöglichen
- aufzuzeigen, ob und wie die Citizen Card für den Zugang zum öffentlichen Veloverleihsystem verwendet werden kann
Begründung
Mobilität verringert Isolation, fördert Gesundheit und Bewegung. Abgewiesene Geflüchtete und asylsuchende Personen müssen oft in Asylcamps leben, dürfen keine Erwerbsarbeit nachgehen und erhalten nur minimale finanzielle Unterstützung. Das
isoliert und zermürbt. Gegen diese Isolation hilft Mobilität. Doch es gibt ein Problem: Für ÖV-Tickets reicht das Geld kaum. Zugang zu einem Velo, dem Wissen wie es zu Unterhalten und Werkzeug und Ersatzmaterial kann helfen.
Ein niederschwelliger Zugang zum Velofahren würde den Bewohnenden beispielsweise der Kollektivunterkunft (KU) Tiefenau ermöglichen, Einkäufe und weitere Alltagstätigkeiten selbständig zu erledigen, soziale Kontakte zu pflegen, Angebote wie
Rechtsberatung wahrzunehmen und insgesamt mobiler am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
In der näheren Umgebung der KU Tiefenau bestehen keine kostengünstigen Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel. Der Weg in die Innenstadt kostet mit dem öffentlichen Verkehr hin- und zurück ohne Halbtax 10.40 CHF oder beträgt zu Fuss rund
7 Kilometer. Gemäss den kantonalen Vorgaben werden Verkehrsauslagen für Einkäufe nicht durch die Asylsozialhilfe übernommen.
Diese Situation führt dazu, dass die betroffenen Personen gezwungen sind, zwischen grundlegenden Bedürfnissen wie Lebensmittelbeschaffung, Mobilität oder dem Aufsuchen von Rechtsberatungsstellen abzuwägen. Damit wird der faktische Zugang zu
rechtlicher Unterstützung zusätzlich erschwert.
Ein niederschwelliger Zugang zu Velos — inklusive Möglichkeit zur Nutzung, Wartung und Reparatur — stellt eine kostengünstige, nachhaltige und integrationsfördernde Massnahme dar, um Mobilität, Selbständigkeit und soziale Teilhabe von Menschen in
Asylunterkünften in der Stadt Bern und in der Umgebung, welche in der Zuständigkeit der Stadt Bern sind, zu verbessern.
Der Gemeinderat wird deshalb aufgefordert, in Bundesasylzentren, Kollektivunterkünften und Nothilfezentren, auch genannt Rückkehrzentren, in der Stadt Bern und in der Umgebung, welche in der Zuständigkeit der Stadt Bern sind, den Zugang zum
Velofahren zu ermöglichen. Dazu sind beispielsweise folgende Punkte vorzusehen:
- Veloverleih: Wer kein eigenes Velo besitzt, kann eines für eine gewisse
Zeit ausleihen. - Velofahrkurse: Velofahren lernen und mobiler werden
- Vielfältiges Angebot: Die Veloflotte umfasst Laufräder für Kleinkinder,
Velos für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Velohelme und
Schlösser.- Wissensvermittlung, wie Velos geflickt werden
- Zugang zu Werkzeugen und Ersatzteile
- Organisation von Velo-Reparatur-Tagen
- Velovermittlung: Wer kein eigenes Velo besitzt, wird unterstützt ein
eigenes zu erhalten. - öffentliches Veloverleihsystem: Die Bewohnenden erhalten kostenlosen
Zugang zu PubliBike
Der Betrieb und Umfang des Angebots ist laufend zu evaluieren und bei Bedarf anzupassen. Die Stadt Bern betreibt seit 2025 im Quartierzentrum Tscharnergut mit „Velo für alle“ einen Veloverleih. In der KU Tiefenau führt der Dachverband für offene
Arbeit mit Kindern (DOK) Veloveranstaltungen durch. Mögliche Synergien der Projekte sind zu nutzen.