Auftrag: 

Der Gemeinderat wird beauftragt die gesetzlichen Grundlagen anzupassen um:

  1. Eine Vergünstigung für das Jahresabonnement (2. Klasse) des öffentlichen Verkehrs auf Stadtgebiet (Zonen 100 und 101) für alle Bewohner*innen einzuführen.
  2. Den Preis des vergünstigten Jahresabonnements für Erwachsene bei 365 Franken und für Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre und Seniorinnen bei 185 Franken festzulegen.

Begründung: 

Viele Menschen können sich das Leben in Bem nicht mehr leisten. Die Mieten explodieren, die Krankenkassenprämien steigen und auch der öffentliche Verkehr wird teurer. Das ÖV-Jahresabo für die Stadt kostet heute 738 Franken. Mit einer Reduktion des Jahresabos auf 365 Franken bzw. 185 Franken für Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre und Seniorinnen wird den steigenden Lebenshaltungskosten entgegengewirkt und die Kaufkraft erhöht. 

Andere Städte im In- und Ausland machen es vor: In Wien kostet das ÖV-Abo schon heute 365 Euro im Jahr. In Tallinn, Belgrad, Dünkirchen oder Montpellier ist der ÖV kostenlos. In Luxemburg und Malta ist der ÖV sogar im ganzen Land gratis. Eine landesweite Vergünstigung hat Deutschland mit dem Deutschland-Ticket (2026: 63 Euro im Monat) eingeführt. Und auch in der Schweiz gehen andere Städte mit gutem Beispiel voran: In der Stadt Zürich wurde die Einführung eines 365 Franken Abos letztes Jahr mittels Initiative angenommen, im Kanton Genf fahren Jugendliche unter 25 Jahren kostenlos mit dem ÖV und in der Stadt Luzern wird der ÖV für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren vergünstigt. Es wird Zeit, dass die Stadt Bem hier nachzieht.

Der Controllingbericht 2023 der Energie- und Klimastrategie 2025 zeigt einen grossen Handlungsbedarf bei der Anzahl immatrikulierter Personenwagen. Damit die Stadt Bern ihre eigens gesetzten Ziele erreicht, muss sie den ÖV noch attraktiver und vor allem bezahlbarer machen. Berechnungen des Preisüberwachers1 zeigen, dass in den vergangenen 35 Jahren die Preise für den öffentlichen Verkehr viel stärker anstiegen als jene für den motorisierten Individualverkehr. Von 1990 bis 2024 betrug der Preisanstieg beim ÖV in der Schweiz 101 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent beim MIV. Eine Preisreduktion beim ÖV ist also mehr als angebracht und motiviert Menschen dazu, vom Auto auf den ÖV umzusteigen. Wissenschaftler haben den positiven Effekt einer Preisreduktion auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs am Beispiel Genf klar aufgezeigt.2 Und in Dünkirchen hat eine Evaluation nach der Einführung des kostenlosen ÖVs ergeben, dass knapp die Hälfte der Nutzenden den ÖV für Fahrten benutzen, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt hätten.3 Attraktive und bezahlbare ÖV-Angebote motivieren viele Menschen dazu, vom Auto auf Bus, Tram und Bahn umzusteigen. Das entlastet den Strassenverkehr, reduziert die Lärmbelastung, verbessert die Luftqualität, verringert den 002-Ausstoss und schafft mehr Platz für Fuss- und Veloverkehr. Der öffentliche Verkehr ist zudem mehr als ein Fortbewegungsmittel – er schafft Zugang zu Bildung, Arbeit, sozialem Leben und Gesundheit. Wer sich die Fahrt nicht leisten kann, wird sozial isoliert. Eine Studie aus Deutschland zeigt, dass sich bei einer Preisreduktion des ÖV-Abonnements gerade bei Menschen mit geringem Einkommen die ÖV-Nutzung erhöht.4

https://www.srf.ch/news/wirtschaft/oev-preise-steigen-der-oeffentliche-verkehr-wird-im-vergleich-zum-auto-immer-teurer

2 Wallimann et al. (2023). Do price reductions attract customers in urban public transport? A synthetic control approach. Transportation Research 173.

3 Le nouveau réseau de transport gratuite à Dunkerque de la transformation des mobilités aux mutations du territoire.

4 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0965856425002757?via%3Dihub

 

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