Medienmitteilung: Verkehr 45: Das schlechteste Szenario für Bern
Bundesrat Rösti macht mit seiner heute kommunizierten Priorisierung der Autobahnprojekte in der Region Bern klar: Kapazitätserweiterungen haben weiterhin Priorität – entgegen dem Volkswillen und auf Kosten der Umwelt. Der bereits abgelehnte Achtspurausbau im Grauholz und die Verbreitung des Abschnitts Wankdorf-Weyermannshaus sind für den Realisierungshorizont 2055 geplant, während der Bypass Bern-Ost keinen Zeitplan mehr erhält (bisher für 2045 vorgesehen). Die lange versprochene städtebauliche Aufwertung rückt somit in weite Ferne. Damit tritt das schlechteste Szenario für Bern ein und der Bundesrat bricht sein Versprechen, die Autobahn aus den Wohnquartieren im Osten von Bern zu nehmen.
Nur Nachteile, keine Vorteile
Der Achtspurausbau im Grauholz, in Kombination mit dem Ausbau des Anschlusses Wankdorf, bringt schwerwiegende Nachteile für die Berner Bevölkerung. Es ist in Fachkreisen unbestritten und hat auch die Stimmbevölkerung überzeugt: Mehr Fahrspuren bringen mehr Verkehr auf der Autobahn, und unweigerlich auch auf Gemeindestrassen und in Wohnquartieren. Mehr Fahrspuren im Grauholz spülen mehr Verkehr in die Stadt Bern. Die Folge davon ist Stau auf dem Abschnitt Wankdorf-Weyermannshaus, welcher darum auch auf 8 Spuren ausgebaut werden soll. Mehr Verkehr wird sich auch über den ausgebauten Anschluss Wankdori in die Quartiere ergiessen und die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmenden, insbesondere des Fuss- und Veloverkehrs, beeinträchtigen. Demgegenüber hätte der Bypass Bern-Ost eine Stadtreparatur ermöglicht, die nun in weite ferne rückt. Die Pläne von Bundesrat Rösti bringen somit nur Nach- und keine Vorteile nach Bern. Das ist inakzeptabel!
Einseitig, anachronistisch und undemokratisch
Bundesrat Rösti trampelt auf dem Volkswillen herum mit seinem undemokratischen Vorgehen. Der Grauholz-Ausbau wurde im Jahr 2024 an der Urne deutlich verworfen. Im Unterschied zu anderen vom Volk abgelehnten Ausbauten ist das Grauholz jedoch nicht auf der Liste der gestrichenen Projekte gelandet. Wichtige Beweggründe für das Volks-Nein waren die Sorge um das Kulturland und die Angst vor Mehrverkehr. Die unterzeichnenden Organisationen teilen diese Sorge, die der Bundesrat nun
sträflich ignoriert. Anstatt innovative, zukunftsgerichtete Verkehrsplanung zu betreiben, wird weiterhin auf unwirksame Kapazitätserweiterungen für den motorisierten Verkehr gesetzt. Für die dringend nötige Stadtreparatur und -entwicklung im Osten Berns wird indes keine Lösung angeboten.
Die Autobahnplanung des Bundes geht über die Köpfe der Bevölkerung hinweg und an den Klimazielen vorbei.
Die unterzeichnenden Parteien und Verbände werden im Rahmen der kommenden Vernehmlassung versuchen, korrigierend einzugreifen und dem demokratisch gefällten Volksentscheid zum Grauholz Geltung zu verschaffen.
Gemeinsame Medienmitteilung der Stadtberner Parteien SP, GB, GLP, GFL und Verbände VCS, Pro Velo, Läbigi Stadt & Fussverkehr