Postulat: Schutz von Wildtieren: Ein ausgewogener Lösungsansatz für Bern
Mirjam Arn (GB)
Prüfauftrag
Dem Gemeinderat wird folgender Prüfauftrag erteilt:
- Sensibilisierung für die Brut- und Setzzeit: Der Gemeinderat soll eine Aufklärungskampagne zum Schutz von Wildtieren im und am Wald während der Brut- und Setzzeit (z. B. vom 1. April bis 31.Juli) prüfen. Mit einer solchen Kampagne sollen Hundehaltende für die Bedürfnisse von Wildtieren und für eine Verwendung von Hundeleinen in dieser Zeit sensibilisiert werden. Dazu soll auch das Zürcher Modell analysiert werden, um zu beurteilen, inwieweit dessen Erfahrungen und Ansatz für Bern adaptiert werden sollten. [1]
- Legale und illegale Biketrails: Der Gemeinderat soll die aktuelle Situation bezüglich legaler und illegaler Biketrails in den Berner Wäldern untersuchen und insbesondere deren Auswirkungen auf die Wildtiere analysieren. Ferner soll er Massnahmen zur Aufklärung der Biker:innen prüfen, um deren Bewusstsein für die Bedürfnisse der Wildtiere zu stärken und die freiwillige Rücksichtnahme zu fördern.
- Waldpädagogik zur Sensibilisierung für Wildtiere: Der Gemeinderat wird gebeten zu prüfen, welche Kooperationsmöglichkeiten bestehen, um bestehende waldpädagogische Angebote (z.B. Waldkindergärten, Waldspielgruppen, «Grünes Klassenzimmer») gezielt für die Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hinsichtlich des richtigen Verhaltens gegenüber Wildtieren – insbesondere während der Brut- und Setzzeit – zu nutzen und mit bestehenden Schutzmassnahmen und Aufklärungskampagnen von Stadt, Burgergemeinde und Kanton sinnvoll zu verbinden.
Begründung
Das Gebiet der Stadt Bern ist auch Lebensraum für Wildtiere und Hunde. Während Hunde Auslauf brauchen, gefährdet ihre Anwesenheit Wildtiere, besonders in der Brut- und Setzzeit, wenn bodenbrütende Vögel und Jungtiere Schutz benötigen. Daher ist eine Sensibilisierung der Hundehalter:innen für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur essenziell. Eine Aufklärungskampagne ist der erste wichtige Schritt, um das Bewusstsein zu schärfen. Berner Wildtier- und Waldexpert:innen empfehlen während der Brut- und Setzzeit eine generelle Leinenpflicht in den Berner Wäldern analog zum Modell des Kantons Zürich. Der Gemeinderat soll deshalb prüfen, ob die Erfahrungen aus Zürich hilfreich sein könnten und ob eine ähnliche Regelung auch auf dem Gebiet der Stadt Bern sinnvoll wäre. Die Berner Wälder sind als Naherholungsgebiete unverzichtbar und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt Bern. Die Freizeitnutzung durch Hunde, Spaziergänger:innen, Jogger:innen, Biker:innen, Familien und andere Gruppen ist deshalb ausdrücklich erwünscht. Gleichzeitig betonen Fachpersonen, dass der zunehmende Freizeitdruck auf Waldflächen negative Folgen für Wildtiere haben kann – insbesondere in sensiblen Phasen wie der Brut- und Setzzeit. Damit Naherholung und Naturschutz besser vereinbart werden können, soll der Gemeinderat untersuchen, welche zusätzlichen Massnahmen (z. B. Lenkungsmassnahmen, Infotafeln, gezielte Aufklärung) effektiv zur Minimierung von Wildtierstörungen beitragen könnten. Auch die Waldwirtschaft stellt eine Herausforderung für Wildtiere dar. Forstliche Arbeiten wie Holzschlag erfolgen teilweise während der sensiblen Brut- und Setzzeit, was Wildtiere durch Lärm und menschliche Aktivitäten aus ihren Rückzugsgebieten verdrängen oder direkt Nester und Jungtiere beeinträchtigen kann. Der Gemeinderat soll deshalb prüfen, welche Gründe es für forstliche Arbeiten während der Schonzeiten gibt und ob Alternativen existieren, die den Schutz der Wildtiere besser gewährleisten. Mit dieser umfassenden Prüfung soll eine fundierte Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, die sowohl den Schutz der Wildtiere als auch die Bedürfnisse von Hundehalter:innen berücksichtigt und eine praxistaugliche Umsetzung ermöglicht. Ebenso soll eine ausgewogene Lösung für den forstwirtschaftlichen Betrieb gefunden werden, welche die Interessen der Wildtiere wahrt, ohne die nachhaltige Nutzung des Waldes unnötig einzuschränken
Bern, 8. Mai 2025